Früher war alles anders

5. August 2010 | in Allgemein, Dies & Das

Damals in den Bergen bei den Prenzelzwergen, wusste man vor lauter Angeboten nicht wo man zuerst einkehren sollte.

Mit den Nachbarskindern wurde Mittwochs die Alte Kantine erkundet und auch so mancher Musikwunsch in den überfüllten Wunschbriefkasten geworfen.

Von Alphaville über Depeche Mode bis hin zu Marianne Rosenberg wurde alles durch die Box geblasen. Ab 27 konnte man den Spaß ohne Obolus genießen und wenn man den Saal vor 3 Uhr verließ, blieb man vom Resteschmaus verschont.

Weiter ging es dann am Donnerstag im Soda Club, wo heißer Salsa Sound auch etwas zum kulturellen Austausch beitrug.

Ins Icon ging man um Drum´n´Base zu hören, im Magnet Club gab es Rockmusiker zu bestaunen, das Pulp Mansion lieferte Electrosound und im Knaack konnte man zu Rock, Indie und alternativer Musik bis zum Morgengrauen rumhüpfen. Wenn man Geburtstag hatte, mietete man den Geburtstagsclub und in der Kulturbrauerei gab es für jeden Geschmack was auf die Ohren.

So zogen die Jahre der Wahlberliner ins Land, bis alles und man selbst sich langsam änderte.

Heute fahre ich von meiner schönen Gartenstadt im Süden Berlins durch die Touristenmeile am Brandenburger Tor und wundere mich über Touristen, die abseits der sicheren Fußgängerwege auf die Straße springen, in mein geliebtes Prenzlberg und höre nur noch Geschichten über Clubs die schließen, weil sich Anwohner über die langen Schlangen vor den Clubs beschweren und dass manche Privatparty schon vor der Zeit  abgebrochen werden muss, weil sich die Nachbarn im frisch sanierten Haus nebenan beschweren.

Da frage ich mich doch, wer sind diese Leute, die an der Berliner Clubkultur rummmosern? Eben das was Berlin ausmacht, die Touristen anlockt und auch viele junge Leute bewegt hier hängenzubleiben?

Sind es gar alt gewordene, ehemals hinzugezogene und selbst zerfeierte Leute? Wollen sie jetzt etwa Ihre Ruhe haben? Einst Berlin im Sturm erobert, möchten sie nun Ihre Kinder in aller Ruhe aufziehen ohne erinnert zu werden, dass sie auch mal jung waren? Ist es der Neid, dass man selber nicht mehr dabei sein kann oder will?

Alles nur Spekulationen, aber wenn ich sehe das die Ü30-Partys jetzt zu Ü40 geworden sind, habe ich so den Verdacht, dass wir alle älter werden :-)

Ich vermisse die Zeit meiner durchfeierten Clubnächte nicht, aber missen möchte ich sie auch nicht.

Mich zieht es jetzt hinaus aufs Land, wo ich in freier Natur mit fröhlichen Menschen vom Morgengrauen bis zum Mondaufgang über den Acker stampfe und die Leichtigkeit des Lebens unter freiem Himmel genieße.



Dein Kommentar